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Presse
   

Presseveröffentlichungen zur
Manuellen Lymphdrainage am Pferd



 

Veröffentlichung bei www.galopponline.de (Januar 2002)
und in der deutschen Galoppsportzeitung (unter dem Titel: Der Dubai-Pferdeflüsterer)
 

 

Ein Deutscher beim Godolphin-Imperium

 
 

Sie sind hermetisch abgeriegelt, streng überwacht. Kein Wunder, denn die Boxen beherbergen Galopper von hohem Wert. Sicherheit wird groß geschrieben in den Stallungen. Dubai, Wüsten-Paradies am Golf, die Keimzelle der rennsportlichen Aktivitäten von Sheikh Mohammed und der mächtigen Maktoum-Familie. Hier kommt so schnell niemand hinein, der nicht unmittelbar zur Belegschaft der Sheikh-Entourage gehört.

Geschafft hat es allerdings ein Mann aus Deutschland. Zumindest für kurze Zeit. Mehrere Wochen stand er in Diensten Godolphins. Als Heilpraktiker für Pferde. In diesem Job sicher so etwas wie der Ritterschlag. Dazu gekommen ist Peter Strittmatter (42), zu Hause 60 Kilometer südlich von Rosenheim, durch Eigeninitiative. “Im April 2001 habe ich Kontakt mit Dubai aufgenommen, nachdem ich einen Bericht über Godolphin im Fernsehen gesehen hatte. Ich dachte, in Deutschland tut sich in dieser Sache ohnehin nichts, da gehe ich gleich an die Großen ran.”

Geantwortet wurde postwendend. Strittmatter: “Nach einer Woche kam eine Email. Man schrieb mir, ich solle doch vorbeikommen, wenn ich in der Nähe sei.” Geflogen ist der Bayer in der ersten Mai-Woche 2001 sowie erneut im November. Geleistet hat er in gewissem Sinne Pionierarbeit. Strittmatter setzt Lymphdrainagen. “Das ist eine sehr sanfte Massage-Methode durch Handauflegen. Nicht die Muskulatur wird behandelt, sondern nur die oberflächlichen Gewebeschichten. Das ist eine Hautverschiebung. Der Druck wird ausschließlich durch Bewegungen mit der Hand erzeugt.”

Von Hause aus sind eigentlich Menschen das Objekt seiner Behandlungen. “Ich arbeite in einer Klinik als Physio-Therapeut. Vor zwei Jahren habe ich mir ein zweites Standbein geschaffen mit den Lymphdrainagen für Pferde. Ich würde auf Dauer natürlich gerne einmal davon leben, aber mit dem Gesundheitswesen sieht es in Deutschland ja schlecht aus. Seit sechzehn Jahren habe ich Erfahrungen mit Lymphdrainagen “, erzählt unser Gesprächspartner.

Unter Anleitung und Förderung von Professor Rautenfeld von der Tierärztlichen Hochschule Hannover absolvierte Strittmatter hier seine Ausbildung, machte sein Diplom. “Zuvor gab es noch keine einheitliche Ausbildung für diesen Job. Allzu groß sind die Unterschiede zwischen der Behandlung von Pferden und Menschen nicht. “Von der Anatomie ist alles sehr ähnlich. Der Aufbau der Lymphgefäße ist gleich, auch bei den Abflusswegen gibt es große Übereinstimmungen. Die Griff-Techniken und der Druck sind vergleichbar.”

Voraussetzung für den Einsatz von Strittmatter und seinen Kollegen am Pferd ist eines der folgenden Krankheitsbilder. Strittmatter wird fachspezifisch: “Zum einen chronische Phlegmone, das sind Umfangsvermehrungen der Gliedmaßen. Gute Erfolge kann man auch bei angelaufenen Beinen haben, ein häufiges Krankheitsbild. Oder bei Ödemen nach Verletzungen und Operationen.”

In Dubai ging es aber ganz klar um eine Geschichte, die einige Anforderungen stellt - Sehnenschäden, die behandelte der “Doc”. “Jede Sehnenverletzung geht mit einer Schwellung einher. Wenn Flüssigkeit abtransportiert wird, dann lässt sich der Heilungsprozess beschleunigen”, erklärt der Mediziner.

Schauplatz der Strittmatter´schen Arbeit waren die Zabeel-Stables von Satish Seemar. Hier sind ausschließlich Pferde untergebracht, die in den Emiraten ihre Rennen bestreiten (die internationalen Cracks stehen in den Al Quoz-Stables). Besonders beeindruckend für den deutschen Gast: das Zusammenwirken mit Seemar: “Er hat zehn Jahre mit Monty Roberts gearbeitet, hat unglaublich viel Wissen, ist da fast eine Gottheit.”

Nachdem Peter Strittmatter Bandage-Material schon vorher nach Dubai geschickt hatte (“das wäre sonst Übergewicht gewesen”), konnte er guten Gewissens in Aktion treten. Sein Erstauftritt: “Mir wurden verschiedene Pferde vorgeführt. Ich durfte entscheiden, welche ich behandeln würde, Ultraschall-Bilder wurden mir vorgelegt. Auf zwei Pferde habe ich mich dann konzentrieren können.” Welche das waren, das wollte er uns nicht verraten, die ärtzliche Schweigepflicht versteht sich.

Der Rat des Therapeuten - auch dieser wurde akzeptiert. “Das Training wurde entsprechend gestaltet, dazu gehörte natürlich der Pferde-Swimmingpool”, schildert Peter Strittmatter. “Und dann befindet sich in Dubai ja die größte Pferdeklinik der Welt, ist direkt an die Ställe angeschlossen.”

Bei aller Akzeptanz, eine Annäherung an die Herrscherfamilie war auch für ihn nur schwer möglich. “Man muss sich alles hart erarbeiten. Selbst eine Person, die von sich behauptet, alle Sheikhs zu kennen, hat noch nicht mit Sheikh Mohammed sprechen können. So leicht kommt man da nicht heran”, berichtet Peter Strittmatter. “Es war eine sagenhafte Zeit, eine Ehre für mich. Die tollsten Erfahrungen habe ich im öffentlichen Leben gemacht.”

Beispiel das Postamt in Dubai - oder wieviel Zeit man braucht, um ein Paket zu verschicken. Strittmatter erzählt in seinem witzigen bayerischen Humor die Episode: “Ich kann eigentlich ganz gut Englisch, kam aber trotzdem nicht richtig weiter. Ich wollte Kompressionsmaterial nach Deutschland senden und dafür einfach den Preis wissen. In der Hauptpost waren nur Einheimische. Etliche Schalter hatten geöffnet. Erst war ich am falschen. Am richtigen angekommen, wurde ich gefragt, ob ich das Paket teuer oder billig schicken wolle. Natürlich habe ich mich für die günstige Variante entschieden, habe mich wieder bei den Einheimischen angestellt. Als ich gemerkt hatte, dass man sich hier nicht in eine Schlange einreiht, ich immer weiter nach hinten geriet und das Recht des Stärkeren zählt, habe ich mich danach gerichtet, war dann an zweiter Stelle. Vor mir bekam jemand ein Formular. Als er das ausfüllen sollte, also nebenan stand, wurde aber kein anderer bedient. Der Mann hinter dem Schalter hat sich bequem in seinen Stuhl gelehnt. Ich habe die Hände gefaltet, aber das hat ihn nicht interessiert. Schließlich kostete das Paket sechzig Mark. Diese Geschichte war eine Bereicherung für mich.”

Bei soviel Spass fiel Strittmatter die Arbeit leicht. Eine Arbeit, die er allerdings wohl in Dubai (vorerst nicht fortsetzen kann. “Trotz sichtbarer Erfolge sagten die Tierärzte, auch ohne Lymphdrainagen wäre das machbar gewesen. Ähnlich wie bei uns dulden Tierärzte nicht unbedingt Therapeuten. Mein Job ist aber nicht als Konkurrenz gedacht, sondern dazu da, die Therapie zu unterstützen.”

Eine Therapie, die nicht auf Galopper beschränkt ist. “Ich behandle alle Arten von Pferden. Das beginnt bei billigen Pferden und geht bis zu Millionen-Tieren. Sie unterscheiden sich zwar im Gewebe, werden aber alle gleich behandelt”, sagt Dr. Peter Strittmatter, ein Profi in seinem Gebiet. Der T-Shirts hat (und in Dubai trug), auf denen seine Homepage-Adresse (www.pferde-therapie.de bzw. horse-therapy.com) aufgedruckt ist. Der hofft, dass auch Trainer und Besitzer in Deutschland auf sein Metier aufmerksam werden. Nicht zuletzt bringt er Dubai-Erfahrungen mit. Und das nicht zu knapp.

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Auszug aus der Pferde-Fachzeitschrift: Cavallo 12/2000 62-65

Abfluß frei

Ulrike Bletzer


Lymphtherapeuten für Pferde lassen mit sanftem Druck Schwellungen schrumpfen.

Die Manuelle Lymphdrainage (ML) entspannt Pferde. Aber das ist nur ein angenehmer Nebeneffekt. Eigentlich soll sie Schwellungen zum Schrumpfen bringen. Bisher profitierten davon vor allem Menschen: In der Humanmedizin etablierte sich die ML schon vor 30 Jahren als Standartverfahren zur Behandlung von Lymphödemen.

Im Arbeitsleben der Lymphologen dreht sich alles um die farblose bis milchige Flüssigkeit, die in Nebenkanälen durch den Körper fließt. Diese Lymphe ist eine Art Sickerwasser des Blutes: In den arteriellen Kapillaren, also den kleinsten arteriellen Blutgefäßen, ist der Blutdruck so hoch und die Gefäßwände so dünn, dass wässrige Flüssigkeit aus den Adern quillt und in die Zellzwischenräume rinnt.Rund 90 Prozent dieses Filtrats nehmen die venösen Kapillaren wieder auf. Der Rest ist ein Gemisch aus wässrigem Abfall und lebenswichtigen Stoffen.Eiweißmoleküle, Elektrolyte und Zellen schwimmen ebenso darin wie Bakterien oder Kohlenstaub aus der Lunge – ein Cocktail, der in einer Kanalisation aus verzweigten Lymphgefäßen Richtung Brustkorb fließt. Dort liegt der linke Venenwinkel, wo die Lymphgefäße in den Blutkreislauf münden.

Lymphe ist freilich mehr als Abwasser, das es zu entsorgen gilt. In ihr patroullieren Lymphozyten durch den Körper – jene Blutkörperchen, die als Teil der Immunabwehr Krankheitserreger bekämpfen.Die meisten dieser Gesundheitspolizisten werden in den Lymphknoten gebildet. Rund 8000 solcher Knoten sitzen im Pferdekörper verteilt; bei keiner anderen Tierart zählten die Wissenschaftler bis heute mehr Lymphknoten.Die imposante Zahl, neben der die 400 bis 600 Lymphknoten eines Menschen geradezu mickrig wirken, verhilft Pferden zu peinlichster Körper-Hygiene von innen – sie besitzen ein ausgeklügeltes Selbstreinigungssystem.

Doch manchmal streikt das Reinigungsunternehmen.Weil die Wände der Lymphgefäße nur spärlich bemuskelt sind, transportieren die Kanäle ihren Inhalt eher im Schnecken- als im Eiltempo – und provozieren damit nicht selten einen Stau. „Pferde neigen besonders stark zu Schwellungen“, so der Hannoveraner Wissenschaftler Professor Dirk Berens von Rautenfeld. Deshalb ist der Abfluß zum Beispiel bei chronischen Phlegmonen oder Operationswunden besonders häufig verstopft. Am häufigsten staut sich die Lymphe, wenn Pferde den ganzen Tag auf einem Fleck stehen. Bei Bewegungsarmut fließt das Blut langsamer durch die Adern; die Gewebeflüssigkeit hat mehr Zeit, durch die Kapillaren zu sickern. Zum anderen wird die Lymphe von den trägen Lymphgefäßen nicht mehr Richtung Venenwinkel gepumpt und stockt deshalb im Zellzwischenraum. Am häufigsten geschieht dies zwischen Fessel- und Sprunggelenk. Solche „Inaktivitätsödeme“ oder angelaufene Beine sind das Berufsrisiko der Boxenpferde.

Ödem-Patienten bekommen vom Tierarzt oder Tierheilpraktiker in der Regel durchblutungsfördernde Medikamente. Lymphtherapeuten brauchen für ihre Arbeit dagegen nur zwei Hände. Lymphdrainage wird mit viel weniger Druck ausgeführt als eine Massage. Sie wirkt nicht tief im Muskel, sondern regt die Lymphgefäße an, sich zusammenzuziehen. ML-Therapeuten massieren deshalb nicht, sie „lymphen“ – und zwar das ganze Pferd. Lymphdrainage allein hält freilich kein Bein auf Dauer schlank. Sie ist nur ein Teil der sogenannten Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE).

Nachdem der Lymphtherapeut 20 bis 50 Minuten lang mit sanftem Druck die Lymphgefäße stimuliert hat, bandagiert er das Pferdebein. Außerdem wird der Patient zwischen den Behandlungen ausgiebig longiert oder geführt, damit Kreislauf und Lymphfluß in Schwung kommen und die Arbeit des Therapeuten unterstützen. Obwohl viele Inaktivitätsödeme schon bei der ersten Behandlung sichtbar schrumpfen, muss der Lymphtherapeut regelmäßig ran. Frische Ödeme hat er in der Regel nach zwei bis drei Wochen täglicher Arbeit kuriert, chronische muss er in etwa einwöchigen Abständen weiterlymphen.

Je länger man wartet, desto mehr Eiweiße lagern sich ab und wandeln sich in festes Bindegewebe um. Gegen diese Verdickungen kommt auch die beste Lymphdrainage nur mit Mühe an. Deshalb wenden Sie sich sofort an den Lymphtherapeuten und Tierarzt, wenn eine Schwellung sichtbar wird.Die Kosten für eine Sitzung inklusive Anfahrt und Bandagenmaterial betragen zwischen 50 und 150 Mark.

Lymphtherapeuten legen auch bei Beschwerden wie Sehnenscheidenentzündungen und chronischen Phlegmonen Hand ans Pferd. In Hannover wird nach weiteren Einsatzmöglichkeiten der Lymphdrainage gesucht. „Denkbar wäre zum Beispiel, dass sie bei Hufrehe die Schwellung der Huflederhaut reduziert oder bei Hochleistungspferden Laktat aus dem Zellzwischenraum abtransportiert und so nach einer starken Belastung die Regeneration fördert“, so Professor Berens von Rautenfeld.

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