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Manuelle Lymphdrainage
beim Pferd zur Behandlung der Beckengliedmaße Hermann Baum Seminar am Zentrum Anatomie der Medizinischen Hochschule Hannover, Klinik für Pferde der Freien Universität Berlin Zusammenfassung Erstmals wird eine wissenschaftlich-anatomisch orientierte Behandlungsstrategie der manuellen Lymphdrainage (ML) beim Pferd vorgestellt. In erster Linie basiert die Entwicklung dieser ML-Behandlungsstrategie auf anatomischen Grundlagen von Baum (1928). Im Gegensatz zur ML-Behandlung des Menschen mussten als Ersatz für die beim Pferd nicht durchführbare Bauch-Tief-Drainage andere aktivierende Maßnahmen des Lymphdrainageapparates im Bereich der lymphvaskulären Abflüsse vom Rumpf in die Körperhöhlen konzipiert werden. Die praktische Effektivität dieses Behandlungskonzeptes wird durch eine ML-Studie an Pferden mit chronischer Phlegmone belegt (siehe Rötting et al., 2000). Anatomisches Institut der Tierärztliche Hochschule Hannover Einleitung und Fragestellung Lymphographische Hinweise für die besondere Neigung des Pferdes zu lymphostatischen Ödematisierungen ergaben sich durch Auer (1974) und Meyer (1988). Die in der Dissertation von Meyer (1988) im Stand lymphographierter Pferde zeigten keine Anzeichen einer Ödematisierung, dennoch wurden im Bereich des Fesselgelenkes auffallend meanderförmig verlaufende und weitgestellte Kollektoren dargestellt. Derartige lymphvaskuläre Füllungsbilder repräsentieren beim Menschen einen pathologischen Befund (Urbanek et al., 1984), welcher für Lymphödematisierungen charakteristisch ist. Eine Erklärung für diese Inaktivitätsödeme beim Pferd dürfte eine schwache Ausbildung der Muskelzellschicht der Kollektoren im Bereich des beim Pferd recht langen und senkrecht gestellten Fußes (Laue, 1987, Berens v. Rautenfeld, 1999) sein. Obwohl mit Ausnahme von Dietz (1999) beim Pferd keine eindeutige Definition von Lymphödematisierungen in der einschlägigen Literatur zu finden ist, wurden bereits von Ramey (1988) und Onderka et al (1991, 1992) mechanische Mehrkammer-Systeme zur Behandlung verschiedener Erkrankungen des Pferdes entwickelt. Der Behandlungserfolg dieser lediglich im distalen ödematisierten Extremitätsbereich zur Anwendung kommenden maschinellen Lymphdrainage ist jedoch wie am Menschen erwartungsgemäß nicht ausreichend oder dauerhaft, da insuffiziente Kollektoren innerhalb der Schwellung zunächst durch die Vorbehandlung der zentralen lymphvaskulären Abflusswege entlastet werden müssen. Erfahrungen aus der Humanmedizin (Strössenreuther, 1999) zeigen, dass nur mittels der manuellen Lymphdrainage (ML) mit zentraler Vorbehandlung, Bandagierung, Bestrumpfung und Bewegungstherapie, also bei Einsatz der sogenannten Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) lymphvaskuläre Erkrankungen optimal behandelt werden können. Bei der chronischen Phlegmone des Pferdes gelang der Beweis dafür erstmals durch Einsatz der manuellen Lymphdrainage. Klinik für Pferde der Freien Universität Berlin und Zentrum für Anatomie der Medizinischen Hochschule Hannover Zusammenfassung Bei neun Pferden mit chronischer Phlegmone kam nach vergeblichen Therapieversuchen die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) mit Erfolg zur Anwendung. Bei allen Pferden, welche mit manueller Lymphdrainage, Kompressions- und Bewegungstherapie behandelt wurden, konnte eine Volumenabnahme von mindestens 50% erzielt werden. Bei drei Pferden betrug die Volumenreduktion annähernd 100%. Einleitung Die von Berens v. Rautenfeld et al. (2000) in dieser Ausgabe der Pferdeheilkunde vorgestellte Behandlungsstrategie der manuellen Lymphdrainage (ML) ist an neun Pferden mit chronischer Phlegmone erprobt worden. Patienten Zur ML-Behandlung kamen ausschließlich Pferde, welche an der chronischen Verlaufsform (Dietz, 1999) der Phlegmone erkrankt waren. Dem bisherigen Kenntnisstand entsprechend (Fröhner, 1900; Müller, 1975; Dietz, 1985) zeigten auch diese Tiere bei medikamentösen und anderen physikalischen Behandlungsmethoden als der ML/KPE eine Therapieresistenz. Bei allen neun Pferden wurden Wucherungen und Verdichtungen der Dermis und Subcutis im Bereich der Ödematisierung diagnostiziert. Das ödematisierte Gewebe zeigte bei Fingerdruck bleibende Dellen. Bei allen neun Pferden war eine der Hintergliedmaßen betroffen. Die Ödematisierung umfasste die Fessel und den Mittelfuß, bei sechs Pferden zusätzlich den Bereich bis proximal des Sprunggelenkes. Ein typisches Zeichen dieser Ödematisierungen ist eine Querfaltenbildung im Bereich der Fesselbeuge. Das ödematöse Gewebe war nicht vermehrt warm. Eine Schmerzempfindung konnte nicht ausgelöst werden. Behandlung der Pferde Bei allen neun Pferden wurde eine Behandlung im Sinne der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) durchgeführt. Wie in der Humanmedizin umfasst die KPE die manuelle Lymphdrainage (ML), Bandagierung oder Bestrumpfung und Bewegungstherapie. Der Behandlungszyklus wurde einmal täglich bis zum Stagnieren der Volumenabnahme durchgeführt. Die Dauer der einzelnen Behandlungen betrug je nach Ödemausmaß zwischen 20 und 45 Minuten. Der Gesamtzeitraum der ML-Therapie dauerte zwischen einer und zwei Wochen. Nach jeder ML-Behandlung wurde ein Stützverband angelegt, der nach Möglichkeit das gesamte ödematisierte Gebiet bis in den Bereich des Unterschenkels einschloss. Bei allen behandelten Pferden wurde eine Volumenabnahme von etwa 50% erzielt. Bei drei dieser Pferde betrug die Ödemreduktion 100%. Unseren Untersuchungen zu Folge ist die ML/KPE Behandlung zur Zeit die einzig erfolgversprechende Therapiemethode der chronischen Phlegmone. Die ML hat sich bei der Behandlung der chronischen Phlegmone des Pferdes als Behandlungsmethode der Wahl erwiesen. Andere Anwendungsbereiche der ML/KPE sind denkbar:
(Auszug aus: Pferdeheilkunde 16 (2000) (Januar/Februar) 30-44)
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